Natur- und Klimaschutz als neue Projektideen

Da die Stiftung seit vielen Jahren im Besitz von wertvollen Schilfröhrichten ist, erwuchs die Idee, diese auszudehnen. Von Natur aus wären die weiten Marschen der Nordseeküste mit großflächigen Brackröhrichten bestanden, die weiter im Binnenland in natürliche Weiden- und Erlenbruchwälder übergehen würden (Potentiell natürliche Vegetation).

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Heute gehören die eingedeichten Marschen aufgrund ihrer hohen Fruchtbarkeit zu den am intensivsten genutzten Landschaften Deutschlands. Naturnahe Biotopkomplexe der Festlandsmarschen mit Röhrichten und Übergängen zu Mooren und Feuchtwäldern sind nicht mehr vorhanden, naturnahe Teilkomplexe akut vom Aussterben bedroht .

 

Die organischen Marschböden weisen aufgrund historischer Trans- und Regressionsphasen des Meeresspiegels ein Schichtgemenge aus Klei und Torf verschiedener Mächtigkeiten auf. Eine Moorbildung auf Marschböden (Bildung von Schilf- und Erlenbruchtorf) hat es in historischen Zeiten daher regelmäßig in großem Ausmaß gegeben. Diese Prozesse sind unter bestimmten Rahmenbedingungen auch heute initiierbar und gezielt zu steuern (z.B. leichtes Wassermanagement aufgrund der Bindigkeit der Böden).

 

Entwässerte Marsch- und Moorböden tragen aufgrund der Torfmineralisation wesentlich zu einem erhöhten CO²-Ausstoß bei. Eine nachhaltige Marsch- und Moornutzung in Form von sogenannten Paludikulturen (v. lat. palus „Morast, Sumpf“, Kulturen von Sumpf- und Röhrichtpflanzen, die im Rahmen einer landwirtschaftlichen Nutzung von Feuchtgebieten insbesondere auf Mooren angebaut werden) könnte dabei nicht nur den CO²-Ausstoß verringern, sondern zusätzlich zu einer dauerhaften CO²-Bindung im Boden führen. Verschiedene Projekte der Universität Greifwald haben gezeigt, daß Paludikulturen auf Niedermoorböden eine klimaschonende Bewirtschaftung ermöglichen können.

 

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Eine thermische Nutzung von Röhrichten und Feuchtwäldern kann neben der traditionellen Reithnutzung zur Gewinnung von Dachdeckmaterial grundsätzlich wirtschaftlich sein. Gleichzeitig können insbesondere Schilfkulturen bei gezielter Bewässerung infolge des Nährstoffentzuges (Prinzip der Wurzelraumkläranlagen) auch erheblich zur Gewässerreinigung beitragen und der Retention innerhalb der Binnenentwässerung dienen (Speichern statt Pumpen).

 

Die Stiftung denkt daher über den Ankauf weiterer geeigneter Flächen nach, die gezielt vernässt und als Nassbrachen der natürlichen Verschilfung überlassen oder als Schilfflächen angepflanzt werden. Besonders geeignet aufgrund ihrer natürlichen Muldenform sind ehemalige Meere, die heute nur durch starke Entwässerung landwirtschaftlich genutzt werden.